Seit Ende August ist durch einen Fördermittelbescheid der Weg frei für die nächsten großen Sanierungsschritte am Gotischen Haus im Wörlitzer Park. Zwischen 2026 und 2030 sollen die wertvollen Innenräume des einzigartigen Bauwerks umfassend untersucht, restauratorisch geplant und schrittweise instandgesetzt werden. Das Ziel: Die außergewöhnliche historische Substanz bewahren und zugleich das Erlebnis und die Vermittlung für die Besucherinnen und Besucher verbessern.
Das Gotische Haus gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der deutschen Neugotik und als Schlüsselwerk für die Entwicklung eines neuen Denkmalbewusstseins, das sich bewusst der eigenen Geschichte und Kunstgeschichte zuwandte.
Mit großem Enthusiasmus ließ Fürst Franz von Anhalt-Dessau das Gotische Haus seit 1773 über mehr als vier Jahrzehnte immer wieder erweitern und verändern. Ursprünglich als persönlicher Rückzugsort gedacht, entwickelte es sich zunehmend zu einem Ort für seine umfangreichen Kunst- und Sammlungsschätze. Architektur, Innenausstattung und Sammlung bilden bis heute ein einzigartiges Gesamtkunstwerk.
Während die Fassaden in den vergangenen Jahren bereits instandgesetzt und Maßnahmen zum Schutz vor holzzerstörenden Insekten vorgenommen werden konnten, wartet ein großer Teil der wertvollen originalen Innenausstattung noch auf seine Restaurierung. Durch die vom Bund und Land Sachsen-Anhalt bewilligten Mittel, wird ein wichtiger Schritt für das gesamte Gebäude möglich: Für alle noch unsanierten Räume sollen zunächst fundierte Untersuchungen und Restaurierungskonzepte erarbeitet werden. So entsteht eine belastbare Grundlage, um die weiteren Restaurierungsschritte gezielt und nach Prioritäten umsetzen zu können.
Am 27. August wurde der Fördermittelbescheid durch Dr. Wolfram Weimer, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie dem Staatsminister für Kultur, Rainer Robra, überreicht © KsDW, Peter Dafinger
Am Anfang steht die genaue Untersuchung: Bauforschung und restauratorische Bestandsaufnahmen sollen Aufschluss über die Geschichte, Materialien, Veränderungen und Schäden der Räume geben. Ergänzend erfolgen Holzschutzuntersuchungen. Auf dieser Grundlage werden individuelle Restaurierungskonzepte, Kostenberechnungen und konkrete Umsetzungspläne entwickelt. Auch die erforderlichen Ausschreibungen und die denkmalrechtlichen Genehmigungen werden vorbereitet. Während der späteren Ausführung begleitet eine restauratorische Fachplanung die Arbeiten.
Dabei geht es um weit mehr als die Wiederherstellung schöner historischer Räume. Die Restaurierung dient vor allem dem Schutz und der langfristigen Erhaltung der wertvollen originalen Denkmalsubstanz. Gleichzeitig sollen die Räume für Besucher wieder stärker erlebbar und ihre kunst- und kulturhistorischen Inhalte verständlicher vermittelt werden.
Der Zeitplan ist klar gesteckt: 2026 bis 2029 stehen restauratorische Untersuchungen und die Bauforschung im Mittelpunkt. 2027 beginnt parallel die restauratorische Fachplanung und Konzeptentwicklung. Von 2028 bis 2030 sollen die geplanten Restaurierungsmaßnahmen schrittweise umgesetzt werden. 2030 ist die Fertigstellung der geförderten Maßnahme vorgesehen.
Damit beginnt für das Gotische Haus ein neuer Abschnitt: Was Fürst Franz über Jahrzehnte mit großer Leidenschaft geschaffen und erweitert hat, soll nun mit ebenso großer Sorgfalt für kommende Generationen bewahrt und wieder stärker erlebbar gemacht werden.
Robert Hartmann
Leiter Abteilung Baudenkmalpflege
Titelbild: KsDW, Peter Dafinger
