Zunehmend schwankende Wasserstände sorgen für einen schnelleren Verfall der Ufersicherungen im Wörlitzer Park. Eine neue Bauweise soll nun Abhilfe schaffen.
Jahrzehntelang waren die Wasserstände im Park nur geringen Schwankungen unterworfen – durch den Klimawandel altern die Ufersicherungen jedoch in den letzten Jahren deutlich schneller und werden zunehmend marode. In der Folge sind die Ufer in weiten Teilen der Anlage durch Aus- und Unterspülung beschädigt. Nach längerer Planungsphase haben in diesem Jahr die Bauarbeiten zur Wiederherstellung des ersten Abschnitts begonnen. Zum Einsatz kommt dabei eine neue, den heutigen Klimabedingungen angepasste Bauweise.
Hintergrund
In den Wörlitzer Anlagen werden seit Jahrzehnten vor allem Totholzfaschinen, Pfahl-an-Pfahl-Konstruktionen sowie – an seicht abfallenden Gewässergründen – Steinschüttungen als bewährte Ufersicherung eingesetzt. Seit einigen Jahren zeigt sich jedoch, dass die Ufer zunehmend schneller in einen desolaten Zustand übergehen. Der Wellengang trägt sie oberhalb der Sicherung langsam ab. Zwar vermindert der Bewuchs diese Ausspülungen, doch sobald die Sicherung nicht mehr voll funktionsfähig ist, wird die durchwurzelte Schicht darunter unterspült. Die darüberliegende Bodendecke verliert dadurch ihren Halt und bricht ab. Es entstehen Narben in der Uferlinie, die das historische Ufer nicht mehr abbilden. Die schnelleren Haltbarkeitsverluste und die wachsenden Schäden erhöhen kontinuierlich Wartungsaufwand und -kosten und verdichten die Zahl der Baustellen in den Anlagen – bei einer zu erhaltenden Uferlänge von rund 11,7 km ein erheblicher Faktor.
Marode Ufersicherung aus Totholzfaschinen © KsDW, Matthias Segeth
Der Ursache auf der Spur
Nach Feststellung der Problematik wurde eine Untersuchung eingeleitet. Schnell zeigte sich: Die verwendeten Nadelhölzer für Faschinen und Pfahlbauweisen verrotten heute deutlich schneller, da sie durch den Kontakt mit Luft und Sauerstoff rascher von Pilzen und Mikroorganismen zersetzt werden. Die historischen Nadelholzfaschinen sind damit nicht schlechter als früher, sie sind schlicht nicht mehr für die heute durch den Klimawandel häufiger auftretenden wechselfeuchten Bedingungen in den Wörlitzer Anlagen geeignet.
Die Suche nach einer Lösung
Nachdem Ursache und Problematik erkannt waren, begann die Suche nach Alternativen, die denkmalfachlich vertretbar sind. Die infrage kommenden Ufersicherungen wurden auf Haltbarkeit und Nachhaltigkeit geprüft, verglichen und gegeneinander abgewogen – darunter Totholzfaschinen aus Nadelholz, Pfahl-an-Pfahl-Konstruktionen mit Rund- oder Kanthölzern, Steinschüttungen sowie ein Bohlenverbau mit senkrechten Kanthölzern. Dabei zeigte sich: Der Bohlenverbau eignet sich durch seine Langlebigkeit und den vergleichsweise geringen Materialverbrauch am besten für die Ufersicherung der Wörlitzer Anlagen.
Neue Ufersicherung im Bohlenverbau © KsDW, Matthias Segeth
Ausblick
Unter Verwendung von Mitteln aus dem Bundeprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel" können seit Mitte Juni 2026 die ersten 3,8 km Ufersicherung instandgesetzt werden. Die ersten beiden Bauabschnitte im Bereich des Kettenbrückenkanals, des Kleinen Wallochs und des Sonnenkanals sind nahezu abgeschlossen. In den kommenden Monaten folgen die Bauabschnitte am nördlichen Ufer des Wörlitzer Sees sowie die Insel Stein.
Matthias Segeth, Abteilung Gärten & Gewässer
Titelmotiv: Ufereinfassung an der Weißen Brücke © KsDW, Rahel Schalinski
