Das Gartenreich
Dessau-Wörlitz

Ende Mai begannen im Gartenreich mit dem ersten Spatenstich offiziell die Bauarbeiten für das Besucherzentrum im Ensemble „Gelbes Haus“ in Wörlitz.

Mit der Restaurierung und denkmalschutzgerechten Modernisierung des Ensembles wird ein wichtiger Gebäudekomplex mitten in der Parkstadt Wörlitz ertüchtigt, nachhaltig aufgewertet und wiederbelebt. Die Bündelung mit dem Ausstellungszentrum im Haus der Fürstin und der Sanierung des neugotischen Marstalls in unmittelbarer Nähe schafft eine neue Attraktion im Gartenreich.

In Anwesenheit von Dr. Wolfram Weimer (Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien), Sven Schulze (Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt), Rainer Robra (Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz), Prof. Dr. Christoph Wulf (Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission) und Maik Strömer (Bürgermeister der Stadt Oranienbaum-Wörlitz) fand der symbolische Spatenstich am 27. Mai statt. Er stellt gleichzeitig auch den Startschuss für die Sanierungsmaßnahmen im Rahmen des Masterplans Bau- und Gartendenkmalpflege dar. Finanziert von Bund und Land werden in den nächsten zehn Jahren die vordringlichsten bau- und gartendenkmalpflegerischen Vorhaben der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz umgesetzt. Die größten Vorhaben sind die Revitalisierung von Schloss und Schlosspark Oranienbaum, Schloss und Schlosspark Mosigkau sowie die Entwicklung des Gelben Hauses zum Besucherzentrum.

Nach der Fertigstellung 2029 wird das Besucherzentrum verschiedene Funktionen erfüllen: Vermittlung von Wissen zum UNESCO-Welterbe und dessen Erhalt sowie über die zahlreichen Standorte des Gartenreichs, Bereitstellung von touristischen Informationen und Präsentation der nahe gelegenen Welterbestätten des Bauhauses, der Luthergedenkstätten und des Biosphärenreservats Mittelelbe. Hierzu werden die Touristinformation, welche derzeit noch im historischen Küchengebäude unweit des Wörlitzer Schlosses untergebracht ist, und die Museumspädagogik der Kulturstiftung neue Räumlichkeiten beziehen. Benötigte Büroräume für Mitarbeitende der Stiftung werden ebenfalls im Obergeschoss des Gelben Hauses untergebracht.

Das historische Ensemble, welches heute aus dem eigentlichen Gelben Haus, dem Erdmannsdorff-Flügel und einem Stallgebäude besteht, wird um einen Ergänzungsbau erweitert, um all den vorgesehenen Funktionen genügend Platz bieten zu können. Ihren Ursprung haben die Gebäude im Wirtschaftshof eines früheren fürstlichen Amts- und Jagdhauses. Fürst Franz von Anhalt-Dessau nutzte es vor der Fertigstellung des Wörlitzer Schlosses 1773 zu Wohnzwecken. Zwischen 1778 und 1785 war im Gebäude das erste vom Fürsten begründete Schullehrerseminar Deutschlands untergebracht. Insofern gilt es als ein wertvolles Zeugnis der deutschen Bildungsgeschichte. Anschließend beherbergte es die Oberförsterei und wurde bis 2019 als Wohnhaus genutzt.

Über die Jahre wurde mehrfach an- und umgebaut, so dass bauhistorisch ein großer Bogen gespannt wird. Die östlichen Teile des Gelben Hauses entstanden bereits vor 1700, im Inneren gibt es barocke Türen sowie eine Treppenanlage aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der westliche Kopfbau wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet.
Diese wechselhafte Baugeschichte soll erhalten und sichtbar gemacht werden, wenn in nur wenigen Jahren ein neues Kapitel für das historische Ensemble beginnt.

Dennis Buchmann, Abteilung Baudenkmalpflege & Julia Cahnbley, Referentin Welterbezentrum
Titelbild: Simulierung des zukünftigen Besucherzentrums