Eine Ausstellung im historischen Gasthof "Zum Eichenkranz" in Wörlitz feiert den 250. Jahrestag von Goethes erstem Gartenreich-Besuch.
Als der junge Johann Wolfgang Goethe zum ersten Mal das Fürstentum Anhalt-Dessau besuchte, ist es nicht Sommer, sondern tiefster Winter. Der Dichter, der kurz zuvor mit den „Leiden des jungen Werthers“ einen der Bestseller des 18. Jahrhunderts geschrieben hatte, reist im Dezember 1776 im Gefolge des Weimarer Herzogs Carl August nach Dessau und auch nach Wörlitz. Seit 1775 steht er in Diensten des Herzogs, den eine enge Freundschaft mit dem Dessauer Fürsten verbindet. Weitere Besuche sollten folgen. Darunter jener vom Mai 1778, der Goethe nicht nur zu einer Zeichnung des Wörlitzers Schlosses, sondern auch zu den legendären, in einem Brief an Charlotte von Stein notierten Zeilen anregt: „Hier ist's jetzt unendlich schön...“. Seither ist Goethe, ob gewollt oder nicht, ein viel zitierter Botschafter des Gartenreiches.
Der erste Besuch Goethes im Gartenreich vor nunmehr 250 Jahren gibt Anlass zum Feiern. Gemeinsam mit der Anhaltischen Goethe-Gesellschaft und der Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches veranstaltet die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz aus diesem Anlass eine Kabinettausstellung im Historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“. Kuratiert haben die Ausstellung Kerstin Bittner, Liane Janzen und Jana Kittelmann. In sechs Themenbereichen werden verschiedene Facetten der vielfältigen und mitunter auch von Distanz und Kritik geprägten Beziehungen Goethes zur Dessau-Wörlitzer Kulturlandschaft und ihrem damaligen Regenten Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau in den Blick genommen. Der umfangreiche und nachhaltig wirkende Wissens- und Kulturtransfer zwischen Dessau-Wörlitz und Weimar und ein gemeinsames, an der klassischen Antike geschultes Kunstverständnis kommen dabei ebenso zur Sprache wie Einflüsse des Wörlitzers Landschaftsgartens auf literarische Werke Goethes. Das berühmteste Beispiel sind hier zweifelsohne „Die Wahlverwandtschaften“. In den Fokus rückt zudem die sich insbesondere im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verstärkende Rezeption des Dichters im Gartenreich. Verschiedene Objekte, Plastiken, Grafikreproduktionen und historische Textkorpora illustrieren diese Themenfelder und den wechselvollen Austausch, der bis heute Spuren in beiden ehemaligen Fürsten- bzw. Herzogtümern hinterlassen hat. Unter anderem wird auch ein Faksimile des berühmten Briefes Goethes an Charlotte von Stein zu sehen sein.
Und auch nach dem Ende der Ausstellung wird gefeiert. Am 28. August 2026, dem 277. Geburtstag des Dichters, heißt es um 15:30 Uhr im Sommerspeisesaal des Wörlitzer Schlosses: „Von Wäldgen und Menschen. 250 Jahre Goethe im Gartenreich“. Vorbereitet haben die szenische Lesung Studierende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter der Leitung von Jana Kittelmann. Musikalisch begleitet wird die Lesung von dem Leipziger Gitarristen Jörg Holzmann. Anschließend wird um 18:00 Uhr im Eichenkranz die selten gezeigte DEFA-Verfilmung von Goethes „Die Wahlverwandtschaften“ zu sehen sein.
Dr. Jana Kittelmann
Referat Kunstforschung und Sammlungen
Titelbild: Historischer Gasthof "Zum Eichenkranz" in Wörlitz © KsDW, Peter Dafinger
