Eine der ersten Bildgruppen, die das Projektteam aktuell untersucht, ist die sogenannte „Schönheitengalerie“ im Braunen Kabinett in Schloss Mosigkau – 12 Porträts junger englischer hochadeliger Damen.
Solche Porträtserien von Hofdamen oder jungen Frauen aus dem unmittelbaren Umfeld des Hofes waren in der Frühen Neuzeit Bestandteil vieler herrschaftlicher Sammlungen. Das Beispiel der Mosigkauer Porträtserie illustriert die komplexen Wege, die viele Gemälde aus oranischem Besitz nahmen. So entstand die Bildgruppe vor 1640 mutmaßlich von der Hand Remigius Leemputs nach Gemälden Anthonis van Dycks. Sie gelangte wohl über die englische Königin Henrietta Maria in das von der niederländischen Statthalter-Witwe Amalie von Solms bewohnte Huis ten Bosch in Den Haag. Über deren Töchter und Enkelinnen wurde die „Schönheitengalerie“ vererbt, wobei sie zeitweise geteilt wurde, und schließlich vollständig in den Besitz der Urenkelin, Anna Wilhelmine, der Erbauerin von Schloss Mosigkau, kam. Dort hängt die Bildgruppe noch heute in mutmaßlich kaum verändertem Ambiente.
Anhand kunsthistorischer Recherchen und kunsttechnologischer Befunde bemüht sich das Projektteam, Aufschluss über die Objektgeschichte, insbesondere über die historischen Hängungen, zu gewinnen. Welche Bedeutung hatte die Bildgruppe für die einzelnen Generationen und in den unterschiedlichen regionalen Kontexten?

Porträt einer englischen Dame aus dem Braunen Kabinett und die Rückseite eines der Gemälde © KsDW
Während die Rahmen einen spezifischen Knorpelstil und handbeschriebene Etiketten auf den Bildrückseiten aufweisen, die dem englischen Ursprungskontext zugeordnet werden können, geben bislang nicht datierte Überarbeitungen der Gemälde sowie verschiedene Ziffern und Bohrlöcher an Rahmen und Bildrückseiten noch Rätsel auf. Insbesondere letztere können sich als Spur erweisen, um vergangene Hängungen bei den unterschiedlichen Besitzerinnen zu entschlüsseln. So stimmen beispielsweise schwarze Ziffern auf sechs Bildrückseiten mit einer testamentarischen Liste der Albertine Agnes von Nassau-Dietz, einer Tochter der Amalie von Solms, überein. Dieser Befund untermauert den Verdacht einer zeitweiligen Teilung der Bildgruppe. Auffallende Dübellöcher an sechs Bildrahmen können Hinweise auf die historische Hängung – etwa an Bändern – geben. Aus welcher Zeitschicht sie stammen kann erst geklärt werden, wenn es möglich ist, weitere Gemälde mit ähnlichen Spuren zu finden.
Rätsel gibt zudem das Porträt einer weiteren Dame auf, das sich in Lacock (Wiltshire) in England befindet und einen identischen Rahmen sowie übereinstimmende Maße und stilistische Merkmale aufweist. Damit steht die Frage im Raum, ob die Bildgruppe ursprünglich einmal mehr als 12 Gemälde umfasste.
